Abmahn-Siggi ist nun Chef der Verräterpartei
Entnommen aus Mein Parteibuch
Ach Herrgottchen, die Verräterpartei gibt’s ja auch noch. Und nun haben die Deligierten auf dem Parteitag in Dresden Abmahn-Siggi zum Chef gewählt. Wie passend, der als Chef der Partei mit dem unwiderstehlichen Charme von Abzocke und Sklavenhalterei. Der forderte in einer Herz-Schmerz-Rede vor seiner Wahl erstmal dazu auf, dass alle mitmachen müssten, die SPD zu einer “Politwerkstatt” werden zu lassen. Damit erzählt nun ausgerechnet Sigmar Gabriel im Kern genau das gleiche zynische Märchen von der Mitmachpartei, das Franz Wer-nicht-arbeitet-soll-auch-nicht-essen Müntefering schon vor knapp viereinhalb Jahren zum Besten gegeben hat. Tätää, tätää, tätää. Eigentlich lustig, doch für den Karnevalsauftakt ist die SPD in Dressen nur zwei Tage zu spät dran gewesen.
Jeder weiß inzwischen, dass das ein Witz ist, denn was mitmachen bei der SPD heißt, ist nun allgemein bekannt: alles hört auf das Kommando der Führung. Kritik am Parteichef oder der Politik der Parteiführung darf es bei der SPD bekanntlich nicht geben. Sigmar Gabriel weiß selbst am besten wie das bei der SPD funktioniert: veröffentlicht ein einfacher Genosse was, was einer SPD-Größe wie Gabriel nicht passt, muss der damit rechnen, dass der zum Genossen Mafia-Anwalt rennt und ihm einen Maulkorb nach Hamburger Art verpassen lässt. Und natürlich würde so eine SPD-Größe kaum auf die Idee kommen, seinen Mafia-Anwalt selbst zu bezahlen: das soll mal schön der Nachwuchs machen, der den Maulkorb bekommen hat. Und wenn der einfache Genosse nicht zahlen will, dann wird der eben verklagt. Bis zum bitteren Ende. Fast jedenfalls. So geht das unter SPD-Genossen. Ohne Abmahn-Maulkörbe würde den einfachen Genossen das Mitmachen in der “Politwerkstatt” SPD sicher auch keinen Spaß machen.
Das würde nun vielleicht alles nicht weiter auffallen, wenn es in der SPD nichts zu kritisieren gäbe. Was würde es denn auch schon zu kritisieren geben, wenn ein von der SPD-Mehrheit im niedersächsischen Landtag gewählter SPD-Ministerpräsident 35.000 Mark Steuergeld für Talkshow-Teilnahmen-Consulting bei Sabine Christiansen und Co ausgeben würde? Auch wenn ein SPD-Politiker und Aufsichtsrat bei VW seiner Lebensgefährtin einen netten Job bei VW verschaffen würde, gäbe es daran absolut nichts zu kritisieren. Natürlich gäbe es auch nichts daran zu kritisieren, wenn ein Ex-SPD-Ministerpräsident und Ex-Aufsischtsrat von seinem kriminellen Genossen Personalvorstand nach seiner Abwahl durch die Wähler einen mündlichen Beratungsvertrag über 100.000 Euro bekommen würde. Und erst recht gäbe es nichts daran zu kritisieren, wenn ein abgewählter SPD-Ministerpräsident zu Vorgängen dieser Art unterschiedliche eidesstattliche Versicherungen vorlegen würde, denn eidesstattliche Versicherungen von SPD-Politikern müssen nicht so ganz genau, sondern nur so ungefähr stimmen. Schließlich wären das im von der SPD entscheidend mitgeprägten Deutschland alles banale Alltagsvorgänge, die keiner Erwähnung bedüften.
Daran, auf VW-Kosten ins Bordell zu gehen wäre auch sicher nichts auszusetzen, denn schließlich muss die SPD überall Wahlkampf machen und da Kritik an hohen Genossen nicht erlaubt ist, würde davon nichts bekannt werden. Aber das dieser niedersächsische SPD-Genosse Hans-Jürgen Uhl zugegeben hat, ein paar dicke Meineide geleistet zu haben, das hat ihn die fiese Kritik dann doch sein SPD-Bundestagsmandat und seinen Job bei VW gekostet. Mit dem sonstigen Verhalten des Genossen Uhl hatte die Panne bestimmt weniger zu tun, hatten ihm doch kurz zuvor noch viele wichtige Genossen den Rücken gestärkt.
Da konnte man halt nichts machen, “mein Name ist Hase” ging da nicht mehr. Tja, so war das bei der SPD. In der letzten Bundestagswahlperiode. Aber jetzt ist das alles ganz anders. Also, nur um vorzubeugen, dass da keine falschen Verdachtsmomente aufkommen, was sich da ändert: Die Staatsanwaltschaft Hannover hat erst letzte Woche angekündigt, zu beantragen, die Immunität des frisch gewählten niedersächsischen SPD-Bundestagsabgeordneten Heinz-Joachim Barchmann wegen des Verdachts der Untreue aufheben zu lassen. Und natürlich weiß der SPD-Abgeordnete Barchmann von nichts. In dieser Beziehung ändert sich wohl auch in dieser Legislaturperiode in Bezug auf die Verräterpartei nichts. Und auch in den politischen Inhalten der Verräterpartei wie dem Eintreten für die grenzenlose Ausbeutung von sozial Schwachen wird sich bestimmt nichts ändern: die bewährte Parole des großen Vorsitzenden Münte, dass man eine Partei nicht an ihren Wahlversprechen messen darf, wird bei der Verräterpartei natürlich weiterhin gelten.
Was sich ändert, ist, dass die SPD nun einen Parteichef mit einem klaren Feindbild hat: “Polit-Blogger“, Internet, Blogs & dortige Anonymitäten; die die Grenzen des menschlichen Anstands verletzen.
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